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Kultur Parndorf
Satyriker
Kultur Parndorf

Tirso de Molina

 DON GIL

VON DEN GRĂśNEN HOSEN

Premiere: Donnerstag, 28. Juli 2011

Kirchenplatz Parndorf     

weitere Vorstellungen:     

29. Juli bis 21. August 2011

jeweils Donnerstag bis Sonntag

Beginn 20.00 Uhr

sKUPA - Kultur Parndorf gemeinnĂĽtzige Gesellschaft m.b.H. www.kulturparndorf.at - Tel. 02166/21070

Inhalt

Dona Juana hat erfahren, dass ihr Geliebter Don Martín Valladolid verlassen hat, um unter einem falschen Namen – Don Gil – mit einem Empfehlungsschreiben seines Vaters bei dessen Jugendfreund in Madrid um die Hand seiner reichen Tochter Inés anzuhalten. Wild entschlossen, ihrem durchgebrannten Bräutigam eine Lehre zu erteilen, reist sie ihm nach. Durch Bestechung des Personals erfährt sie, dass Inés und Martín einander im Park kennen lernen sollen. Juana kommt Don Martín zuvor und macht, als Mann verkleidet, Inés Avancen. Inés verliebt sich sofort in den jungen Kavalier Don Gil. Das Eintreffen Martíns bringt die erwünschte Verwirrung. Inés lehnt den eben angekommenen „Gil“ ab und beharrt auf ihrem Gil mit den grünen Hosen. Juana lässt Martín ausrichten, sie erwarte von ihm ein Kind und hätte sich ins Kloster zurückgezogen, um dem Zorn des Vaters und der Schmach in der Öffentlichkeit zu entgehen. Martín bleibt von dieser Nachricht unberührt. Jetzt treibt Juana ihr Spiel auf den Höhepunkt: sie tritt nicht nur als „Gil“ in Männerkleidern, sondern auch als Dona Elvira in Frauenkleidern in Erscheinung. Sie sei auf der Suche nach ihrem Geliebten, nämlich jenen „Gil“, der Inés heiraten soll. Sie lässt verbreiten, Juana sei inzwischen im Kloster verstorben. Martín fühlt sich von Juanas Rache-Geist verfolgt und wird in seiner Angst von Tristán, Juanas Diener, bestärkt. Dem ist das ständige Untertauchen seines bartlosen jungen Herrn Don Gil nicht ganz geheuer. Schließlich verliebt sich auch Dona Clara in Juana-Gil. Und plötzlich stehen vier Don „Gile“ vor Inés´ Balkon – Juana, Clara, Mendo und Martín. Es herrscht Verwirrung, kommt zum Streit, die Degen klirren. Bis Juana ihr Intrigenspiel aufklärt und Martín vor der Verhaftung rettet. Reumütig kehrt er zu Juana zurück.

 

Zum Autor

Tirso de Molina,  (mit bĂĽrgerlichen Namen Gabriel TĂ©llez) wurde in Madrid geboren. Das genaue Geburtsdatum ist nicht geklärt. Es gilt als wahrscheinlich, dass Tirso im Jahr 1579 zur Welt kam, wo er am 29. März in der Pfarrkirche von San Sebastián getauft wurde. Aber auch die Jahreszahlen 1581 und 1584 werden immer wieder genannt. Seine Eltern waren vermutlich einfache Bedienstete des Conde de Molina de Herrera. Molina studierte an der Universität Alcalá und trat am 4. November 1600 in den Orden der Mercedarier in Toledo ein. Am 21. Januar 1601 legte er im Kloster San AntolĂ­n bei Guadalajara sein OrdensgelĂĽbde ab. 1606 wurde er in Toledo zum Priester geweiht, wo er neben Theologie und Kunst studiert hatte. 1606-1614 lebte er in Toledo, wo er Lope de Vega kennen lernte und 1611 sein erstes TheaterstĂĽck „Los tres maridos burlados“ schrieb. Nach einigen Schwierigkeiten mit kirchlichen Behörden wegen seiner ersten TheaterauffĂĽhrungen zog er sich zwischen 1614 und 1615 ins Kloster von Estercuel, in Aragonien zurĂĽck. 1616 wurde er fĂĽr zwei Jahre auf eine Mission nach WEstindien gesandt, in das Gebiet der heutigen Domenikanischen Republik, wo er an der Universität von Santo Domingo Theologie lehrte. (Santo Domingo, heute Haiti) 1618 kehrte er von der Reise zurĂĽck und lebte in den Klöstern seines Ordens in Madrid, Toledo, Salamanca und Soria. Er nahm an den Sitzungen der Academia poĂ©tica de Madrid teil, beteiligte sich an den damals in Mode gekommenenen Schreibwettbewerben und schrieb etliche TheaterstĂĽcke. Zwischen 1624 und 1633 wurden fĂĽnf Teile (Partes) seiner Komödien veröffentlicht. 1625 wurden aufgrund von „zweifelhaften moralischen Standpunkten in seinen StĂĽcken“ seitens der Junta de ReformaciĂłn de las Costumbres (Sittenreformkommission) Sanktionen gegen ihn erhoben. Es sei nicht statthaft sei, dass sich ein Ordensmann in seinen literarischen Werken weltlichen Themen widme. Er musste Madrid verlassen und wurde nach Sevilla und Cuenca versetzt. 1626 wurde er zum Prior seines Ordens in Trujillo ernannt, wo er bis 1629 blieb. Zwischen 1632 und 1639 hielt er sich in Katalonien auf. Als offizieller Chronist seines Ordens beendete er dort 1639 die Historia General de la Orden de la Merced, eine Geschichte des Mercedarierordens, die er sieben Jahre zuvor begonnen hatte. 1640 wurde er wegen erneuter Schwierigkeiten wieder nach Cuenca verbannt. 1645 ernannte man ihn zum Prior des Mercedarier-Klosters in Soria. Dieses Amt hatte er wahrscheinlich bis an sein Lebensende inne. Tirso de Molina starb am 12. März 1648.

Tirso de Molina gehört neben Lope de Vega und Pedro Calderón de la Barca zu den größten Dramatikern Spaniens. Seine größte Schaffensphase liegt vermutlich in den Jahren 1611 bis 1625, eine Zeit, in der er nach eigenen Aussagen eben zwischen 300 und 400 Stücken geschrieben haben soll, von denen 91 erhalten sind. Molina ist ein Vertreter von Lope de Vega` s „Comedia nueva“, das heißt, es gibt keine Unterscheidung zwischen Komödie und Tragödie. Die Theaterstücke halten sich nicht an die klassischen dre Einheitenvon Zeit, Ort und Handlung und die handelnden Figuren entstammen sowohl den höheren als auch den niederen Ständen. Gegen das Konzept der „Reinheit“ der literarischen Gattungen wandte er ein, dass auch im Alltagsleben Komisches und Tragisches, Hohes und Niederes vermischt sei, und so sollte auch das Drama die Realität adäquat wiedergeben. Wie Lope de Vega vertraute er nicht auf übertriebene Bühneneffekte, legte aber großen Wert auf Szenen, in denen die Schauspieler mit ihrer Kunst brillieren konnten.

TheaterstĂĽcke:

Weltliche Dramen

 La villana de Sagra (1611) - Don Gil de las calzas verdes (Don Gil von den grĂĽnen Hosen) - geschrieben um 1615 -Marta la piadosa (geschrieben um 1615) - La villana de Vallecas - El burlador de Sevilla o convidado de piedra (um 1619) – erste Don Juan Dramatisierung - Los cigarrales de Toledo (1624)  - El castigo del penseque (1613)

Historische Dramen

La prudencia en la mujer (»Die Weisheit der Frauen«) - Pizarro-Trilogie: Todo es dar en un cosa, Amazonas en las Indias, La lealtad contra la envidia

Biblische Dramen

La vida y muerte de Herodes , La mujer que manda en casa

Dona Juana

 Natalie June OBERNIGG

Dona Inés

 Nicole REST-LANKMAYER

Dona Clara

 Zeynep BUYRAC

Don MartĂ­n

 Oliver ARNO

Don Mendo

 Florian GRAF

Don Pedro, Vater von Dona Inés

 Walter BENN

Lombardo, Diener von Dona Juana

 Franz SUHRADA

Tristán, Diener von Dona Juan a

 Georg KUSZTRICH

Osorio, Diener von Don MartĂ­n

 Tobias EISELT

Dona Celia, Tante von Dona Clara

 Sissy NEUMĂśLLER

Don Diego, Vater von Dona Juana

 Karl Maria KINSKY

Ein Gerichtsdiener

 Bernie FEIT

 

 

BĂĽhne/ KostĂĽme

 Werner SCHĂ–NOLT

Musikalische Leitung

 Helmut STROBL

Fechtchoreographie

 Tobias EISELT/ Florian GRAF

Bearbeitung/ Dramaturgie

 Peter W. HOCHEGGER

Regieassistenz

 Sissy NEUMĂśLLER

Regie 

 Peter W. HOCHEGGER

Zum StĂĽck

Ihr Frauen, soll die Ehe glĂĽcklich werden, behaltet lieber selbst die Hosen an!

Nicht zuletzt durch zahlreiche Eroberungen hat der junge Nationalstaat Spanien schnell an Selbstbewusstsein gewonnen. Im 17. Jahrhundert aber begann dieses Selbstbewusstsein der Spanier brüchig zu werden. Durch den Untergang der Armada übernahm England die Vormachtstellung als Seemacht, Portugal ging verloren. Die Katholischen Kirche hatte auf die Gesellschaft immer großen Einfluss. Die Inquisition und ihre grausamen Foltermethoden im Mittelalter haben ihre Spuren hinterlassen. Kein Wunder, dass der Glaube an Zauber, Geister und Gespenster weit verbreitet war, wenn die Kirche selbst Jahrhunderte lang Hexenverbrennungen vornehmen ließ. Auch die Gesellschaft selbst war noch sehr von den mittelalterlichen Umgangsformen geprägt. Strenger Glaube, überzogene Ehre, puritanische Lebenseinstellung, starres Rechts- und Ordnungsprinzip waren die Eckpfeiler eines stur patriarchalen Gesellschafts-systems, in dem die Frau eine verehrte, aber untergeordnete Rolle gespielt hat.

In diesem Kontext erzählt der Geistliche Tirso de Molina von einer Frau, die sich ihrer zur Passivität verdammten Rolle entledigt, dreist in Männerkleidung schlüpft und ihrem untreuen Geliebten nachreist. Aber nicht um sich an ihm zu rächen, sondern um ihm eine Lektion in Sachen Liebe zu erteilen. Sie wartet nicht darauf, dass sie genommen wird, sie nimmt sich, was ihr versprochen wurde. Sie lässt Gnade vor Recht ergehen und gibt ihrem abtrünnigen Geliebten eine neue Chance. So zeigt sie ihm, dass Liebe und Vergebung mehr Bedeutung hat, als Ehre.

Juana als emanzipierte Frau zu bezeichnen, wäre zu weit gegriffen. Man darf sie aber als ein zu Mensch gewordenes Gegenprinzip zur starren Weltordnung des Patriarchats verstehen: Liebe vor Ehre, Gnade vor Recht, Vergebung vor Rache, Lebensfreude vor Selbstbeschneidung und so weiter. So gesehen ist diese Komödie ein Entwurf zu einem neuen Gesellschaftsbild in einer Phase des Umbruchs vom nachbebenden Mittelalter zur noch pubertierenden Neuzeit, in dem die tradierten Werte überprüft werden sollen, um der Humanität mehr Raum zu geben. Ein Plädoyer für Menschlichkeit, das in so manchen Punkten bis heute ungehört geblieben ist.

Es heißt, Molina habe durch sein Amt als Beichtvater tiefe Einblicke vor allem in die „weibliche Seele“ erhalten. Vielleicht sollten wir unseren Frauen öfters zuhören - wir Männer!