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Kultur Parndorf
Satyriker
Satyriker

Pedro Calderón de la Barca

DAME KOBOLD

Premiere: 30. Juni 2011

Vorstellungen: 2. Juli bis 13. August

jeweils Freitag und Samstag

Beginn: 19.30 Uhr

SATYRIKER

1210 Wien, Kinzerplatz

0676/3359319

www.satyriker.at

Inhalt

Don Manuel kommt mit seinem Diener Cosme nach Madrid, um sich bei Hofe für seine Ernennung zum Statthalter zu bedanken. Dabei begegnet ihnen eine verschleierte Dame, Dona Angela, die den unbekannten Kavalier um Schutz vor einem Verfolger bittet.

Cosme verstellt dem Verfolger Don Luis  mutig den Weg. Es entwickelt sich ein Streit und Don Manuel kommt seinem Diener zu Hilfe. Manuel und Luis duellieren sich, da will Don Juan seinem Bruder Luis beistehen. Es stellt sich rasch heraus, dass Don Manuel der erwartete Freund und Gast Don Juans ist. Manuels Zimmer liegt neben dem Dona Angelas. Die beiden Räume sind nur durch eine geheime Verbindungstür hinter einem Glasschrank getrennt. Dona Angela, eine junge Witwe, hat sich in ihren „Retter“ verliebt und lässt es ich nicht nehmen, immer wieder von der Geheimtür Gebrauch zu machen. Manuels Diener Cosme ist schnell davon überzeugt, dass in diesem Zimmer ein Kobold sein Unwesen treibt.

Nach einigen turbulenten Verwechslungsszenen mit Situationskomik und Wortwitz, zwei Duellen auf Leben und Tod und heimlichen Rendezvous kommt es selbstverständlich zum erwarteten Happy End.

 

Stück

Calderóns Weltbild war letztlich ein mittelalterliches.

Die zentrale Frage des Lebens war: Wie kann ich Gottes Willen erfüllen? Und nicht etwa: wie gebe ich meinem Leben einen Sinn? Das menschliche Leben ist nur wie ein Traum. Die einzige Realität des Lebens ist der Wille Gottes und die kosmische, überirdische Ordnung. Wir Menschen haben diese anzuerkennen. Deshalb sind seine Figuren eigentlich nur Marionetten, die von Gottes Hand gelenkt werden. Dem Individuum ist nur Entscheidungsfreiheit über sein inneres, nicht aber über sein äußeres Leben gegeben. Der Mensch hat die Wahl, den Versuchungen zu widerstehen oder ihnen zu erliegen.

Nur das ist seine Freiheit. Gott greift gnädig ein. Nimmt der Mensch die Gnade an, wird er erlöst, wenn nicht – fällt er dem Nichts, dem Untergang anheim.

DAME KOBOLD war nur ein reines Unterhaltungsstück für die höfische Gesellschaft gedacht. Es gehört zu den typischen Mantel- und Degenkomödien der Zeit nach dem Vorbild Lope de Vegas. Es ist schildert auf amüsante Art das Leben und Treiben der Madrider Gesellschaft des 17. Jahrhunderts und hat in keiner Weise gesellschaftskritische Ambitionen.

 

Das Leben – nur ein Traum?

Warum spielt man ein Stück Weltliteratur, das aufgrund seiner mittelalterlichen Denkart zeitgeschichtlich längst überholt ist?

Nun, allein schon deswegen, weil es eben ein Stück Weltliteratur ist. Dass Calderóns Komödie DAME KOBOLD bis heute immer wieder gern gespielt wird, liegt vor allem in ihrer exzellent beschriebenen Situationskomik, ihrem brillanten Wortwitz und an den größtenteils fein gezeichneten Figuren, vor allem der weiblichen.

Heutzutage erscheint uns natürlich auch der Umgang mit den Begriffen Ehre und Religion in dieser Zeit eher komisch bis befremdlich. Dass Mann sich schon wegen der kleinsten Beleidigung zur Verteidigung seiner Ehre verpflichtet gefühlt hat, sich mit seinem Kontrahenten auf Leben und Tod zu duellieren, die Ehre also höher einzustufen war als das Leben selbst, ist für uns heute nicht mehr nachvollziehbar.

Frauen hatten sich der Obhut und dem Schutz der Männer – egal ob Vater oder Bruder oder Ehemann - zu unterwerfen. Rechte hatten sie so gut wie keine.

Und da war dann noch der liebe Gott, als oberste Instanz einer vom Patriarchat beherrschten Hierarchie, die niemals hinterfragt werden durfte. Diese gottgewollte Hierarchie, deren weltlicher Repräsentant der König war, stellte die unangreifbare und unverrückbare irdische und kosmische Ordnung dar - in der Welt, im Staat, in der Gesellschaft, im Verhältnis zwischen Mensch und Gott und selbstverständlich auch zwischen Mann und Frau.

Es versteht sich von selbst, dass solche unantastbare, in Stein gemeißelte hierarchische Strukturen zur Machterhaltung dienen und zu Unterdrückung führen. Wo es an wahren Werten fehlt, werden irgendwelche Pseudowerte zum Heiligtum hochstilisiert, gegen die man niemals rebellieren darf. Dass sich solche Machtgefüge früher oder später ganz von selbst erledigen, beweist uns - nicht nur - die jüngste Geschichte.

Es ist aber auch nicht zu bestreiten, dass sich Individuen aus Angst und Unwissenheit ganz gerne einem streng geregelten Ordnungsprinzip unterwerfen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Deshalb fühlt er sich scheinbar im Strom der Irrenden oft wohler, als ein isolierter, weil selbstbewusster Einzelkämpfer, der am rechten Weg ist. Auch das beweist uns die Geschichte.

Dass dabei auch Schreckgespenster eine Rolle spielen können, ist verständlich, denn: wer den Teufel an die Wand malt, muss sich nicht wundern, wenn er ihm dadurch ein Stückchen Leben einhaucht.

Die Frauen in DAME KOBOLD nehmen ihr Schicksal – entgegen aller Anstandsregeln - selbst in die Hand. Sie beweisen Zivilcourage. Sie überschreiten scheinbar unsichtbare Grenzen, dargestellt durch einen Glasschrank, der eine Verbindungstür versteckt.

Dona Angela nimmt die ihr aufgezwungene Rolle eines Kobolds an, um auf diese Weise an ihr Ziel zu kommen, was ihr als Mensch verwehrt geblieben wäre. Was ihr als Frau als unschicklich und moralisch verwerflich vorgeworfen worden wäre, ist ihr als Gespenst, als Dämon wenigstens aus moralischer Sicht erlaubt. Und Angela geht noch einen Schritt weiter: sie gesteht dem Mann zuerst ihre Liebe. Damit beweist sie Mut und ignoriert  noch einmal das gewohnte Ordnungsprinzip.

Durch ihren „zivilen Ungehorsam“ öffnet sie der Liebe die Tür und macht das Happy End für sich selbst und für ihren geliebten Manuel erst möglich.

 

 

Don Juan

 Bernhard HORN

Don Luis, sein jüngerer Bruder

 Andreas SEIDL

Dona Angela, seine Schwester, Witwe

 Renate DUDASCHEK

Dona Claudia, seine Cousine

 Isabella MACH

Don Manuel, sein Freund

 Peter H. C. FERNBACH

Cosme, Don Manuels Diener

 Helmut MAIERHOFER

Isabel, Dona Angelas Zofe

 Stefanie ELIAS

 

 

Bühne

 Wolfgang TRPAK

Kostüme

 Tina PRICHENFRIED

Musik

 Thomas BEINHOFER

Regieassistenz

 Carina THESAK

Regie/ Bearbeitung

 Peter W. HOCHEGGER

Wieso ist es mitten in der Nacht taghell?

Warum sind die Wände plötzlich elastisch?

Wie kann es sein, dass die tugendhafte Witwe Dona Angela sich in den Straßen Madrids herumtreibt, obwohl sie doch ihre strengen Brüder daheim eingesperrt haben?

Und weshalb, um Gottes willen, sieht der dummdreiste Diener Cosme überal ein Gespenst, das ihn nahe an den Herzinfarkt treibt? Und wieso ist überhaupt nichts so wie es scheint an diesem lauen Sommerabend?

Wenn Ihnen heuer auf dem  â€žschönsten Platz von Floridsdorf“ einiges spanisch vorkommt, hat das einen guten Grund: DIE SATYRIKER präsentieren die Mantel & Degen-Komödie „Dame Kobold“ des spanischen Barockdichters Calderón de la Barca.

Da wird versteckt und intrigiert, geliebt und gefürchtet, aber am Ende geht doch alles mit rechten Dingen zu.....

Haus & Hof-Regisseur Peter W. Hochegger hat das barocke Lustspielsprachlich entstaubt und sorgt mit einem bewährten Schauspieler-Team für spanisches Vollblut-Temperament - mit skurrilen Charakteren, aberwitzigen Verwechslungen in rasantem Spieltempo und flotten Fecht-Szenen.

Und das alles mit hinreißender Musik im andalusischen Stil von Thomas Beinhofer, live gespielt mit Klarinette, Gitarre und Bass.

Hintergrund

Als Calderón geboren wurde, hatte Spanien, den Höhepunkt seiner Macht und seines Ruhmes bereits überschritten. 1479 vereinigten sich die rivalisierenden Königsreiche Kastilien und Aragonien durch die Hochzeit Ferdinands von Kastilien mit Isabella von Aragon. Deren Tochter Johanna hatte den Sohn Kaiser Maximilians, den Habsburger Philipp I., geheiratet. Aus dieser Ehe entstammte der spätere deutsche Kaiser Karl V., der behaupten konnte, dass in seinem Reich die Sonne niemals untergeht.

1492 wurde durch die Entdeckungsreise des Kolumbus die Gründung des spanischen Kolonialreiches in Amerika möglich.

1581 begann der Niedergang der Großmacht Spanien. Die Niederlande wollten selbständig werden und die Armada wurde besiegt, wodurch die Spanier ihre Vormachstellung zur See an die Engländer verloren.

Dennoch war dies die Zeit der Hochblüte der Literatur und des Theaters in Spanien.

Lope de Vega begründete das spanische Nationaltheater, das durch Calderóns religiöse und philosophische Dramen seine Glanzzeit erlebte.

Das spanische Volk war zutiefst religiös. Sein Glaube hatte sich an der strengen Askese seiner Heiligen orientiert und wurde nicht zuletzt durch das Jahrhunderte lange Zusammenleben mit Arabern und Mauren immer stärker. Durch die vielen Kriege war es den Adeligen verwehrt, größere Ländereien zu erwerben. Also mussten sie bei Hofe dienen und ihr Lebensinhalt war auf den Kampf um ihre Ehre und für ihren Glauben beschränkt.

Spanien war die Hochburg der Gegenreformation und des Katholizismus. Der spanische König wurde noch lange als von Gottes Gnaden eingesetzt verehrt. Wer gegen den katholischen Glauben war, war also auch ein Staatsfeind. Aus diesem Blickwinkel ist die Inquisition zu verstehen, die sich zunächst gegen die Araber, dann aber auch gegen die anders denkenden Christen gerichtet hat.

Gerade die Inquisition mit ihren „Hexenverbrennungen“ hat die mittelalterliche Angst des Volkes vor Geistern, Dämonen und Kobolden wieder aufleben lassen.

Das Gedankengut der Renaissance wurde schon im Keim erstickt, das geistige Erbe des Mittelalters eisern beibehalten.

Das Besondere an Spaniens Theater war die enge Verbundenheit von Theater und Religion. Das heidnische Brauchtum mit Tanz und Mimus war schon immer ein Teil des christlichen Gottesdienstes. Priester wurden während der Messe mit Christus identifiziert, der König hatte einen fast göttlichen Stelluenwert. Papst Urban IV. hatte 1264 die Fronleichnamspiele zur Ehrung Christi eingeführt, die in Calderóns „autos sacramentales“ ihre Vollendung fanden als eine einzigartige, für Spanien typische Theaterform.